24. Sonntag im Jahreskreis A - 17. September 2017

„Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben“ - Jesus Sirach weist uns an, Vergebung zu üben. 

Sticht da nicht in einen wunden Punkt unseres Lebens?

Ist es wirklich so einfach? Die Frage des Petrus im Evangelium deutet schon darauf hin: Irgendwann muss doch wohl Schluss sein mit der Geduld, mit der ständigen Bereitschaft zum Vergeben, sonst tanzt einem der andere ja auf der Nase herum…

Die Antwort des Herrn hat ihre Ecken und Kanten. 77 mal vergeben. Dafür reicht wohl ein Menschenleben nicht… Und oft unsere Geduld auch nicht.

Und trotzdem, oder gerade deswegen ist dies ein unübersehbares Zeichen, an dem die Jünger Christi zu erkennen sind. Wenn wir den Namen „Christin“ oder „Christ“ tragen, dann ist die Bereitschaft zur Vergebung, die ja aus einer ehrlichen Liebe erfließt, eines der wichtigsten Fundamente. 

Doch wie dies umsetzen? Sind wir als Christen dann nicht immer die Schwächeren? Die Dummen? Die sich alles gefallen lassen (müssen)?

Wenn wir so zu fragen beginnen, gehen wir - so meine ich - am eigentlichen Problem vorbei. Denn die Bereitschaft zur Vergebung heißt ja nicht, dass wir Unrecht unkritisch zulassen müssen. Dass wir uns ständig von den Medien schlagen lassen müssen. (Manchmal sogar von den eigenen Theologinnen oder Priestern…)

Die Bereitschaft zur Vergebung beginnt ganz woanders. Stellen wir uns einfach konkret die Frage: Wie kann ich damit umgehen, dass jemand an mir Kritik geübt hat? Oder vielleicht ein etwas zu lockeres Wort über mich verloren hat? Bin ich dann im Innersten verletzt und zerstört und warte ich nur darauf, es dem Betreffenden heimzuzahlen, ihm einen Denkzettel zu verpassen? Oder kann ich auch hier den Aufruf Jesu ernst nehmen. 

Denn mein Tun hat Konsequenzen! Das sagt uns Paulus heute klipp und klar. Keiner lebt sich selber, keiner stirbt sich selber. Irgendwann müssen wir Rechenschaft ablegen. Auch über unsere Unversöhnlichkeiten.

Ein Weisheitslehrer wurde einst von einem Schüler gefragt, wie er denn zu wahrer Weisheit kommen könne. Da sagte der Weisheitslehrer zu ihm: Geh auf den Friedhof und lobe die Toten. Und der Schüler ging und rief „Oh ihr Heiligen! Ihr Helden, wie großartig war euer Leben!“ - Dann ging er zu seinem Lehrer zurück. „Haben die Toten reagiert?“ „Nein!“ „Dann geh und verhöhne die Toten“ Und der Schüler ging auf den Friedhof und beschimpfte die Toten. Als er zurückkam, fragte der Weisheitslehrer wieder: „Und, haben die Toten reagiert?“ „Nein“ - „So mußt Du werden, um Weisheit zu erringen. Wie ein Leichnam, den Lob nicht überheblich macht, und den Unrecht und Tadel nicht ärgerlich oder zornig werden lässt!“

 

Amen. 

 

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