6. Jänner 2018 – Erscheinung des Herrn

Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen Tag feiert die Kirche die Erscheinung des Herrn vor der ganzen Welt. In den „Heiligen drei Königen“, den Weisen aus dem Morgenland, sind die Menschen aller Sprachen und Völker verkörpert, die sich von Gott gerufen, auf den Weg machen, um Jesus anzubeten. 

So schaut der Psalmist dieses Ereignis bereits im 72. Psalm: Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben. Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen. 

Und im Evangelium haben wir soeben gehört, wie der Stern, den die Weisen hatten aufgehen sehen, sie bis zu dem Ort geführt hat, wo das Kind war. 

Die Weisen landen schließlich in einer kleinen Stadt, wo der Stern über einem Stall stehen bleibt. Welches Glücksgefühl muss die Seele dieser Männer durchströmt haben. Welche Freude dieser Wissenschaftler, die von so weit hergekommen sind, um einen König zu finden, sich am Ziel ihrer Reise zu sehen. 

Und auch wir wissen: Was für eine Freude jedes Mal, wenn wir den Weg zu Jesus gefunden haben!

Aber wir sind uns nicht immer voll bewusst, wie nahe Jesus uns ist, weil Gott sich in einem unscheinbaren Stück Brot, in der Hostie, verbirgt, weil er sich nicht in all seiner Herrlichkeit zu erkennen gibt, sondern im geschundenen, armen Mitmenschen, weil er nicht mit unwiderstehlicher Macht seine Herrschaft zeigt, sondern uns oft leise, fast unhörbar, einlädt, ihm einen Schritt näher zu kommen. Sanft wie ein Schatten gleitet er in unser Leben, statt seine Macht auf alle Dinge niederfallen zu lassen. 

Viele Einwohner von Betlehem sahen in Jesus ein Kind wie viele andere. Viele Menschen heute sehen in Glaube und Kirche eine Freizeitbeschäftigung neben vielen anderen. Die Hirten waren eine kleine Schar, die begreifen durften, was hier wirklich passiert. Auch heute ist es vielerorts nur eine kleine Schar, die begreift, was Jesus in ihrem Leben verändern kann, eine kleine Schar, die dadurch eine Sehnsucht in ihrem Leben spürt nach dem Herrn, eine kleine Schar, die sich die Zeit nimmt, auch am Wochentag mit dem Herrn in der Eucharistie in Berührung zu kommen, eine kleine Schar, die mehr von ihm wissen will, in Bibelabend und Glaubensgespräch ihr Herz öffnet. 

Die Sterndeuter wussten in diesem Kind jenen zu erkennen, den fortan alle Geschlechter anbeten werden. Wenn doch viele unserer heutigen Generationen ein wenig von dem Glück dieser Drei auskosten könnten, weil sie den Messias sehen konnten!

Die Welt wusste damals noch nichts von ihm. Und heute hat sie vieles wieder vergessen. Wenn wir darauf warten, dass Er uns in unserem säkularen Alltag anspricht, wenn wir nichts dazu tun, wenn wir uns nicht aufmachen unseren Stern zu suchen, dann werden wir leer ausgehen. 

Es geht darum, stets offenen Sinnes zu sein, weil der Herr sich auch im Selbstverständlich-Alltäglichen verbirgt. Wir müssen lernen, jenes innere Licht immer wieder zu finden, das uns befähigt, die Gleichförmigkeit des Alltags zu durchbrechen und Jesus in unserem gewohnten Leben zu entdecken. 

Die Weisen huldigten dem Gottessohn in der Krippe. Sie erkennen, dass er der Messias ist, der Heiland, der Erlöser der Welt. 

Das Konzil von Trient hat ausdrücklich die Anbetung der Weisen erwähnt, als es die Verehrung begründet, die wir Christus in der Eucharistie schulden. Der im Tabernakel gegenwärtige Jesus ist derselbe, den die Sterndeuter in den Armen Marias vorfanden. Und wir sollten uns daraufhin prüfen, wie wir ihn anbeten, wenn er in der Monstranz unserem Blick zugänglich oder auch verborgen im Tabernakel ist. Wir dürfen prüfen, mit welcher Andacht wir in der heiligen Messe niederknien. Bitten wir die selige Jungfrau Maria, wie auch die heiligen Sterndeuter um ihre Fürsprache, dass wir immer neu erkennen, wie wir unserem Herrn in Ehrfurcht und Andacht, in Anbetung und Verehrung begegnen können. 

Amen.

heiligenlexikon_button.png

 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

button_evangelium_neu.jpg

  • Default
  • Titel
  • Datum
  • Random
MEHR ANZEIGEN Alle anzeigen