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Theologie

DIE VERNÜNFTIGE REDE VOM WAHREN GOTT, DER SICH UNS ZEIGT

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Orient und Abendland vor dem Geheimnis der Dreifaltigkeit

P. Raniero Cantalamessa OFM Cap. widmet seine Fastenzeitpredigten in diesem Jahr den Gemeinsamkeiten, die den Glauben des christlichen Orients und des lateinischen Abendlandes verbinden. Damit möchte er dem entsprechenden Aufruf von Papst Franziskus, den gemeinsamen Glauben bewusster zu teilen, folgen. Seine zweite Fastenpredigt trägt den Titel „Orient und Abendland vor dem Geheimnis der Dreifaltigkeit“.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird immer der Wunsch nach Einheit geäußert. Schon Papst Johannes Paul II. forderte das Bemühen um „ein fruchtbares Zusammenwirken all der vielen Dinge, die uns einen und die sehr viel mehr sind als diejenigen, die uns trennen.“

Orthodoxie und katholische Kirche verbinden verschiedene Elemente, so der Glaube an „die Dreifaltigkeit, die Menschwerdung des Wortes, an Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch in einer selben Person ist, der für unsere Erlösung gestorben und auferstanden ist und uns den Heiligen Geist geschenkt hat; wir glauben, dass die Kirche sein vom Heiligen Geist belebter Leib ist, dass die Eucharistie ‚Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens ist’, dass Maria die ‚Theotokos’, die Gottesmutter ist, dass unser Schicksal das ewige Leben ist“.

Auf dem Weg zur Einheit fand ein Perspektivwechsel statt. Hieß es früher, erst seien die Unterschiede zu überwinden, dann folge der Einheitsprozess, stehen heute die gemeinsamen, verbindenden Elemente im Vordergrund. Erst anschließend wendet man sich mit Respekt und Achtung den Unterschieden zu. Die Andersartigkeit wird als Bereicherung wahrgenommen.

In der zweiten Fastenpredigt sollen deshalb am Beispiel der Dreifaltigkeit Gemeinsamkeiten und Unterschiede der griechischen und der lateinischen Kirche aufgezeigt werden.

Die Dreifaltigkeit war in der Geschichte immer wieder Grund zum Vorwurf des Polytheismus, weshalb im 4. Jahrhundert in das Glaubensbekenntnis die Betonung auf den „einen“ Gott eingefügt und damit der Monotheismus des christlichen Glaubens klargestellt wurde. Der Unterschied der griechischen und

lateinischen Kirche besteht in ihrem Ansatz zur Dreifaltigkeit. Fasst die Westkirche „diese Einheit als unpersönlich oder vorpersönlich“ auf, versteht die griechische darunter „eine personifizierte Einheit“. Es kann festgehalten werden: „Der Vater ist die Quelle, der absolute Ursprung der Liebesbewegung. Der Sohn könnte als Sohn nicht bestehen, wenn er nicht zuerst vom Vater alles erhielte, was er ist. ... Einheit und Dreifaltigkeit Gottes entspringen auf ewig einem einzigen Akt und sind ein und dasselbe Mysterium.“

„Die Kirche braucht das orthodoxe Trinitätsverständnis in ihrem Innenleben, d.h. im Gebet, in der Kontemplation, in der Liturgie, in der Mystik; sie braucht aber auch den abendländischen Ansatz, und zwar speziell für ihre evangelisierende Mission, d.h. nach außen hin.“ Die Frage der Dreifaltigkeit gewinnt nämlich besonderes Gewicht im Hinblick auf die Nichtgläubigen und ihre Evangelisierung.

„Die Kirche muss Mittel und Wege finden, um das Geheimnis der Einheit und Dreifaltigkeit Gottes so zu verkünden, dass es für die Menschen unserer Zeit verständlich ist. ... Wenn es in der Sprache der Kirchenväter etwas gibt, das, wie die Erfahrung mit der Verkündung zeigt, heute noch den Menschen helfen kann, die Dreifaltigkeit, wenn auch nicht vollauf zu verstehen, so doch zumindest zu erahnen, dann ist es das Bild des Augustinus, das auf den Begriff der Liebe setzt.“

Einigkeit besteht zwischen Orient und Abendland darin, die Dreifaltigkeit anzubeten, die Apophasie. „Wir wollen diese Überlegungen beenden, indem wir gemeinsam die Doxologie beten, die seit der frühesten christlichen Antike unverändert zur Dreifaltigkeit aufsteigt, ohne Unterschiede zwischen Orient und Abendland: ‚Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit, und in Ewigkeit. Amen.’“ 

 

Quelle: zenit.org