Wohin? Hilfen zur Berufungsfindung

Lieber Firmkandidat! Das vorliegende Papier beinhaltet Anregungen, um zur volleren Entfaltung deines Seins zu gelangen – es sind Kriterien für eine gute Lebensentscheidung. Ausformuliert ist es hinsichtlich Berufs- und Ausbildungswahl. Analog gilt es aber auch für andere Fragestellungen: zB. Partnerschaft.
Welche Möglichkeiten gibt es, um meinen Weg zu finden?
Welche Kriterien gibt es, um zu unterscheiden, ob dieser Ausbildungsweg / dieser Beruf / diese Partnerschaft für mich gut ist?
Und: Gott hat einen guten Plan für mich, mehr noch: die beste Berufung.
Wie aber kann ich den Ruf Gottes in meinem Leben vernehmen?

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Möglichkeiten sammeln. Eine Entscheidung muss immer angesichts mehrerer Möglichkeiten getroffen werden – sonst wäre es keine Ent-scheidung. Sammle Material zu den verschiedenen Optionen, die für Dich in Frage kommen! Versuche, mehr über die jeweiligen Wege zu erfahren: Was erwartet mich in dieser Ausbildung? Was danach? Entspricht das meinen Vorstellungen? Kenne ich jemanden, der mir davon mehr erzählen kann? Vielleicht hast Du die Gelegenheit, dort oder da für einen Tag zu schnuppern!?

Meine Sehnsucht entdecken. Der Ruf Gottes wird unter anderem im Hören auf meine innerste Sehnsucht entdeckt! Freilich geht es um höhere Sehnsüchte als den Gusto auf einen BigMac. Etwa der tiefe Wunsch, eine Familie zu gründen. Oder mich intensiv für das Evangelium Christi einzusetzen. Oder der Menschheit etwas Sinnvolles zu hinterlassen.[1] Wohin zieht es mich? Was freut mich? Was will ich eigentlich aus meinem Leben machen?

Talente und Fähigkeiten ernst nehmen. Manches ist uns tendenziell in die Wiege gelegt. Die eigenen Stärken zu entdecken, kann zu einer guten Entscheidung verhelfen. Freilich werden wir immer Lernende bleiben, wir werden auf jedem Weg Dinge einüben müssen, die uns nicht so liegen. Sehr vieles kann und muss man erst lernen. Aber es gibt Tendenzen in uns, die uns bei einer Entscheidung helfen können: Jemand der Mathe hasst, wird nicht Mathe-Professor werden.[2] Auch Jesus ermahnt uns, unsere Talente nicht zu vergraben, sondern wirksam zu machen (vgl. Mt 25,14ff).

Vernünftig sein. Manche Dinge, die man grundsätzlich alle will, können sich widersprechen. Es ist beispielsweise sehr anstrengend, zugleich eine feste Beziehung zu pflegen und gleichzeitig über Jahre im Ausland zu arbeiten. Hier müssen wir unser Tun und Entscheiden vernünftigerweise an den für uns / für mich höheren (!) Zielen ausrichten. Es gibt unterschiedliche Prioritäten. Beispielsweise geht Familie vor Beruf, Ausbildung übertrumpft in der Wichtigkeit sportliche Leistungen (außer ich will eben Spitzensportler werden). Die unterschiedlichen Prioritäten sollten wir für eine gute Entscheidung beachten. Wir sollten klare Verhältnisse schaffen – das tut Dir und Deiner Umwelt gut! Macht diese oder jene Entscheidung angesichts meiner Lebensziele Sinn? – schafft sie in meinem Leben eher Ordnung oder eher Chaos?

Übergeordnetes Ziel erspüren. Stell‘ Dir ernsthaft die Frage: Was ist der Sinn meines Lebens? Warum bin ich auf dieser Erde? Wo will ich hin? Worauf würde ich gerne zurückschauen, wenn ich in 60 Jahren im Schaukelstuhl sitze und auf mein Leben zurückschaue?

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Gutes tun. Vernünftigerweise werde ich hinterfragen, ob meine Lebensentscheidung dazu führt, dass ich die Welt ein Stück besser machen kann. Werde ich durch diese Entscheidung zum Guten befähigt? – oder trage ich zur Ungerechtigkeit bei?

Betend alles Gott anvertrauen. Eines muss ich als Christ glauben: Gott ist gut, Er meint es gut mit mir. Er hat ganz große Pläne mit uns, mit mir. Wir sind seine geliebten Kinder und berufen, unsere Welt gut zu gestalten zu sein. Du bist Königskind, berufen, diese unsere Welt mit Liebe zu erfüllen! Um sich dessen immer wieder zu vergewissern, brauchen wir die entschiedene Freundschaft mit Gott. Beten heißt konkret, die Nähe zu Christus zu suchen und die Freundschaft zu Ihm zu pflegen. Beten heißt, bei einem Freund zu sein. Es heißt auch, offen zu sein für das, was ER Dir schenken will: Inspirationen, Begegnungen, prägende Momente.

„Wer die Heilige Schrift nicht kennt, kennt Christus nicht!“, hat ein großer Heiliger einmal gesagt. Wenn ich mit betendem Herzen die Bibel lese, wirkt der Heilige Geist an Dir. Das Wort Gottes gibt Orientierung und Mut! Es gibt Dir auch konstruktive Kritik, an der Du wachsen kannst! Dh. offen zu sein für den Willen Gottes, der mein höchstes Glück will. Wie will Gott zu dir sprechen? Oft im tiefsten deines Herzens. Manchmal auch dadurch, dass sich Türen öffnen oder Gespräche ergeben, die dich weiterbringen. Manchmal darf man überraschenderweise einen roten Faden im eigenen Leben entdecken – dahinter kann Gott stehen. Die ganze Schöpfung ist eine Spur Gottes. Wir können lernen, diese Spur zu entdecken. Gott ist jedenfalls kreativ, in der Art, wie Er sich uns mitteilt. Und all das kann Inspiration für eine gute Entscheidung sein.[3]

Den roten Faden finden. In meinem Leben könnte sich ein roter Faden durchziehen, der mir Orientierung gibt. Der Blick in meine Vergangenheit lässt mich erkennen, was sich bewährt hat; was mir Halt gegeben hat; lässt mich vergegenwärtigen, was ich bisher bereits als etwas Gutes (!) erkannt habe. Es kann auch sein, dass sich meine Berufswahl dadurch abzeichnet. Es kann sein, dass es dann irgendwie auf der Hand liegt, wofür ich mich entscheide.[4]

Bereite dich früh genug auf eine Lebensentscheidung vor. Dein Ja oder Nein hat langfristige Folgen. Entscheidung für etwas heißt immer auch Entscheidung gegen anderes. Das macht aber nichts. Dessen muss man sich nur bewusst sein, wenn eine Entscheidung zu treffen ist. Eine große Entscheidung musst Du eben ernst nehmen. Manche Dinge wechselt man so häufig wie die Unterhose, andere kann man (fast) nicht mehr tauschen. Bsp.: Ich kann nicht beliebig oft die Schule oder den Ausbildungsort wechseln, mit dieser Auswahl ist eben ein wichtiger Stein gelegt.

Im Gehen erkennt man den Weg. Früher sagte man: „Es prüfe, wer sich ewig bindet!“ Das ist auf die Ehe bezogen. Viele Menschen tun sich heute schwer, sich zu binden – nicht nur, was die Ehe angeht. So mancher scheint in der Entscheidungsphase stecken zu bleiben, so dass man meint, er hat den Spruch einmal falsch gehört: „Es prüfe ewig, wer sich bindet“. Wie dem auch sei. Nur Mut zur Entscheidung! Irgendwie muss es ja weitergehen. Es ist immer noch besser, später doch einen anderen Weg einzuschlagen, als keine Entscheidung zu treffen. Und die Erfahrung des gegangenen Weges – die kann Dir keiner mehr nehmen!

Gottvertrauen. Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, ohne gegen mein Gewissen gehandelt zu haben, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Gott deinen Weg segnen wird. Freilich wird es Höhen und Tiefen geben. Aber bei Gott bekommst Du für jede Situation – mag sie noch so viel von Dir abfordern – Trost, Zuflucht und die nötige Kraft. Das sieht auch Paulus so: „Gott ist treu; Er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus herausgefordert werdet.“ (1 Kor 10,13) Vertraue Ihm alles an, dann sorgt ER sich um Dich! Besprich' alles mit Ihm - dann kann ER Dir ein sorgenfreies Herz schenken! Wenn Dir etwas schwerfällt, setze einen Glaubensakt und sprich dreimal entschlossen:

„Jesus, ich vertraue auf Dich! Sorge Du!“

Hast Du noch immer nicht genug? Hier geht’s zu einer Katechese von Pater Johannes Paul Chavanne, dem Österreichischen Olympiakaplan, über die Berufungsfindung à Suche auf YouTube: „Wie finde ich meine Berufung?“ [Link]

Euer Dominik Wagner

 

Zitate zum Priestersein

  • Das Stundengebet mit Herz und Mund - und bibelkundig - verrichten (Dir 76)

    Damit die Priester die Bedeutung des Stundengebets vertiefen können, ist es nicht nur erforderlich „die Stimme mit dem betenden Herzen in Einklang zu bringen, sondern auch ‚sich eine reichere liturgische und biblische Bildung‘ anzueignen, ‚zumal was die Psalmen betrifft‘“.Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 76, Stundengebet
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